Dark Leadership – Die dunkle Raute der gefährlichen Führung

So begegnen Sie Mobbing und Machtspielen wirksam!

„Das Gefühl, über Menschen und Vorgänge keine Macht zu haben, ist uns im Allgemeinen unerträglich – wenn wir hilflos sind, fühlen wir uns elend. Niemand will Macht abgeben, alle wollen mehr. In der heutigen Welt ist es jedoch gefährlich, als zu machthungrig zu erscheinen, zu unverhohlen seine Spielchen zu betreiben. Fairness und Anstand werden von uns erwartet, also müssen wir subtil vorgehen – schicklich, aber schlau, demokratisch, aber diabolisch.“ schreibt Robert Greene in „Die 48 Gesetze der Macht“

Narzissten, Psychopathen, Soziopathen und Sadisten bei der Arbeit

Sie leben unter uns und ab 30 sind Sie nicht mehr einfach so zu erkennen. Aktuell gewinnen diese an Boden in der Gesellschaft, in der Politik, in Organisationen und Unternehmen, weil charismatische „Führer“ attraktiv werden, die in unsicheren Zeiten scheinbar wissen, wie es laufen muss.

Warum sind einige Menschen so? Die einfachen Erklärungen stimmen nicht, wie zum Beispiel „wie der Vater, so der Sohn“… Andrew Solomon hat dies in seinem Buch „Weit vom Stamm. Wenn Kinder ganz anders als ihre Eltern sind“ mit seinem neuen Identitätskonzept anhand von Fallbeispielen dargestellt. Kinder ganz unauffälliger, friedlicher Eltern können später als Erwachsene möglicherweise gewalttätig handeln, oder am Arbeitsplatz sadistisch Mobbing initiieren.

Die meisten Ansätze der Personalentwicklung / Human Resources (HR) betonen die „helle“ Seite der Führung. Allen voran „Transformational Leadership“. Hier soll die Führungskraft selbstlos alle Macht den Mitarbeitern abgeben, diese werden dadurch so glücklich, dass sie intrinsisch und  dauerhaft hochmotiviert sind.

Diese Welt könnte so schön sein, oder?

Nur gibt es da noch die Anderen. Die dominanten Narzissten. Nur wenige Studien beleuchten die dunkle Seite der Führung.

In Filmen, in der Literatur, in der Politik, an Schulen, in Organisationen und Unternehmen dagegen können wir diese „Typen“ antreffen. Wir können ihr Handeln beschreiben.

So fragt Luke Skywalker den Meister Yoda in Star Wars, ob die dunkle Seite stärker sei.

Meister Yoda antwortet „…nicht besser, leichter, verführerischer.“

Soweit der Meister, der uns genau die entscheidende Information liefert.

Nur, wie erkennen Sie einen Narzissten und welche Merkmale haben Psychopathen und Soziopathen? Was ist im Umgang mit einem dominanten Sadisten zu beachten? Ist Machiavellismus ein Teil davon, etwas kognitiv Eigenständiges, und nur schlecht?

Narzissten – die verführerischen Manipulatoren

Beginnen wir mit der „hellsten“ Ausprägung des Dark Leadership, dem Narzissmus.

Was bedeutet Narzissmus?

  • Narzissmus ist eine Persönlichkeitsstörung.
  • Sie zeichnet sich aus durch übertriebene Pflege und Sorge um das eigene Image. Narzisstische Menschen sind weit mehr daran interessiert, wie sie anderen erscheinen, als daran, was sie fühlen.
  • Narzissten leugnen Gefühle, die ihrem beabsichtigten Bild widersprechen.
  • Da sie ohne Gefühl handeln, neigen sie zu verführerischem und manipulativem Dies ist der narzisstische Weg zu Macht und Herrschaft.
  • Narzissten sind Egoisten. Sie sind nur auf ihre eigenen Interessen ausgerichtet. Narzissten fehlen Werte, wie Gelassenheit, Würde oder Integrität.
  • Ein Narzisst hat kein echtes Interesse an seiner Umwelt oder der Lebensqualität seiner Mitmenschen.

Woran erkenne ich Narzissten – Checkliste

Die folgende Checkliste hilft Ihnen dabei einen Narzissten klarer zu sehen. Machen sie diesen Test um zu erfahren, ob sie es mit einem Narzissten zu tun haben. Die Auswertung finden Sie am Ende der Fragen. Hinweise auf Narzissmus (in Anlehnung an Joe Navarro) erhalten Sie bei folgenden Verhaltensweisen

  • Demonstriert ein Selbstwertgefühl, das sich mit seiner Position, seiner Erfahrung oder seinen Verdiensten nicht rechtfertigen lässt.
  • Hegt großartige Vorstellungen davon, wer er ist und was er erreichen kann.
  • Redet oft über sein Bedürfnis zu führen, die Leitung zu übernehmen, Macht auszuüben oder seinen Wunsch nach schnellem Erfolg.
  • Beutet Menschen aus bzw. übervorteilt sie.
  • Ist arrogant und behandelt Leute von oben herab.
  • Empfindet seine Probleme als einzigartig oder wichtiger als diejenigen anderer Leute.
  • Hat eine übertriebene Vorstellung davon, was ihm zusteht, und rechtfertigt damit die Beugung von Regeln und die Übertretung von Gesetzen.
  • Ist extrem empfindsam dafür, wie er von anderen wahrgenommen wird.
  • Hat andere als minderwertig, unfähig oder unwürdig beschimpft.
  • Hat wenig Verständnis oder Einfühlungsvermögen für andere gezeigt, erwartet aber selbst Mitgefühl von allen.
  • Redet eher auf Sie ein anstatt mit Ihnen.
  • Wenn er mit Ihnen kommuniziert, fühlt es sich an, als ob er Nachrichten versende, aber selbst keine empfängt.
  • Konkurriert am Arbeitsplatz ständig mit Kollegen um die Aufmerksamkeit und die Anerkennung des Chefs.
  • Wirkt verunsichert und reagiert aggressiv, wenn man ihn kritisiert.
  • Hat sich als etwas ausgegeben, das er nicht war, beispielsweise als Arzt, Offizier, Astronaut oder Elitesoldat.
  • Anfangs ist es interessant, Zeit mit ihm zu verbringen, später raubt er einem Energie, und das Interesse erlahmt.
  • Wirkt gelegentlich derart kalt oder distanziert, dass Sie sich fragen, wer diese Person eigentlich ist und ob Sie sie wirklich kennen.
  • Fasst völlig unschuldige Gesten anderer Menschen (Zurechtrücken des Stuhls, Umdrehen, Blick aufs Telefon oder auf die Uhr) als Zeichen von Desinteresse auf und ist dann eingeschnappt.
  • Er hat große Erfolge vorzuweisen, die er zwar anderen verdankt, denen er aber selten bis nie Anerkennung dafür zollt.
  • Mitgefühl wird nur ganz kurz, nebenher oder aus eigennützigen Motiven gezeigt.
  • Reagiert auf Kritik oft rachsüchtig, ausfallend, aggressiv, wütend oder total abgebrüht.
  • Mag nicht mit Arbeit behelligt werden, weil sie ihn angeblich vom „Denken“, „Planen“, „Kontakteknüpfen“, „Lernen“ oder „Vorbereiten“ abhält.
  • Übertreibt gegenüber seinen Vorgesetzten ständig seinen Wert und seine Leistungen.
  • Ist sehr gut darin, Schwächen in anderen zu erkennen und auszunutzen.
  • Setzt Beleidigungen ein, um andere kleinzuhalten und sich die Kontrolle zu sichern.
  • Kann schüchtern oder einzelgängerisch sein, aber trotzdem arrogant gegenüber anderen; hält sich für überlegen oder einzigartig.
  • Reagiert indigniert, wenn andere weniger als hundertprozentige Loyalität zeigen.
  • Hat Sie oder andere absichtlich warten lassen oder bei Besprechungen und Unterhaltungen die anderen aufgehalten.
  • Ist mit seiner Entlohnung nie zufrieden, selbst wenn sie großzügig ist.
  • Zögert nicht, anderen triviale Aufgaben aufzubürden, auch wenn sie gerade beschäftigt sind oder Wichtigeres erledigen.
  • Redet unangemessen lang und ausführlich über private Probleme oder Sorgen, ohne Rücksicht auf die Zeit und die Empfindlichkeiten des Gesprächspartners zu nehmen.

Auswertung: Ab 5 zutreffenden Aussagen sollten Sie im Umgang mit dieser Person vorsichtig werden. Das bedeutet: Vereinbarungen dokumentieren, Critical Issues notieren und Strategien im Handeln entwickeln!

Wie Narzissten im Unternehmen handeln – Fallstudie

So ruiniert ein Narzisst ein funktionierendes Team

Andrew hat einen beeindruckenden Track Record. Er war bei allen wichtigen Mobilfunkanbietern jeweils etwa 2 Jahre und kam zum jetzigen Arbeitgeber direkt aus der Schweiz. Er ist Anfang 40, groß und wortgewaltig.

Als er sein neues Büro bezogen hat, irritiert er seine Umgebung mit lauten Wutausbrüchen am PC. „So eine Drecks-Software, was für eine Scheiß-Maus, wie altmodisch ist das denn hier organisiert…“ Trifft er auf Mitarbeiter im Team hat er seine Story über seine guten Kontakte in der Mobilfunk-Branche stets auf den Lippen. Er erzählt diese Geschichte gern, oft und lang. Höflich hören die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu Beginn zu. Das Team arbeitet schon länger zusammen und liefert gute Ergebnisse ab. Auch Management Vorlagen macht das Team. Eine gute Ausgangssituation für Andrew. Nach einigen Monaten fällt im Team auf, dass er eigentlich nie zu Kunden fährt oder seine guten Kontakte nutzt, um die vereinbarten Themen zu unterstützen.

Die Menschen im Team beginnen sich zu wundern, oder zu ärgern, dass es nicht mit den Themen weitergeht. Andrew erzählt weiter von seinen guten Kontakten und dass mit seiner Hilfe ein neues Smartphone auf den Markt kommen wird in Zusammenarbeit mit den großen deutschen Mobilfunkanbietern.

Nichts davon bringt er auf den Weg. Es gibt erste erschöpfte Mitarbeiter, psychosomatische Erkrankungen. Andrew schimpft auf alle Personen, die vermeintlich nichts taugen oder verstehen. „Das sind doch alles Idioten, ignorante Deppen und Penner. Mit meinen Kontakten werde ich hier alles umkrempeln!“ Nichts passiert.

Ein Mitarbeiter wagt einen vorsichtigen Vorstoß in die Personalabteilung „Wir sind uns nicht ganz sicher mehr, ob Andrew wirklich die guten Kontakte hat…“ und holt sich eine blutige Nase beim HR Business Partner. „Du weißt, dass wir hier im Unternehmen niemanden anschwärzen. Das ist gegen unsere Firmenwerte. Ich will mal darüber hinwegsehen, normalerweise würde ich jetzt eine Abmahnung aussprechen müssen…“ Erste Mitarbeiter überlegen, das Team zu verlassen. Eine Mitarbeiterin sagt „ich werde sofort aggressiv, wenn er nur den Mund aufmacht. Das stimmt doch alles nicht!“ Andrew spricht weiter über seine guten Kontakte, erzählt gerne, dass er sein Haus bar bezahlt hat.

Andrew hat das Glück, dass es Leute gibt, die ihre Hand über ihn halten. Es sind vor allem diejenigen, die ihn eingestellt haben und nicht ihr Gesicht verlieren wollen.

Nach einem Jahr ist das Tempo im Team erheblich gesunken, zwei Personen haben das Team inzwischen im Ärger verlassen.

Die Ergebnisse leiden darunter.

Durch eine Reorganisation des Bereichs bekommt Andrew als neuen Chef Maurice, der den Narzissmus von Andreas erkennt und nun hart Termine für die Umsetzung vereinbart und Resultate fordert. Die Resultate bleiben aus, es kommt nach insgesamt 18 Monaten zu einem Aufhebungsvertrag.

Andrew hat bis heute keine neue Anstellung. In seinem Xing-Profil steht immer noch sein alter Job-Titel und der ehemalige Arbeitgeber….

 

 

Handlungs-Strategien für die Zusammenarbeit mit einem Narzissten

Maurice geht geschickt und konsequent im Fallbeispiel vor und macht dadurch Einiges wirklich richtig.

Nachdem Narzissten gerne viel versprechen, ist es wichtig deutlich und nachdrücklich die Ergebnisse einzufordern. Sollten die Vereinbarungen nicht eingehalten werden, gilt es hart zu konfrontieren und die nötigen Konsequenzen anzudrohen. Es ist entscheidend, keinen neuen Versprechungen aufzusitzen.

Zumeist wird der Narzisst sich beschweren. Ich empfehle, nur die Handlungsweise  und die Arbeitsergebnisse zu reflektieren. Falls sich der Narzisst nicht bewegt, unterstützen wir seine Neuorientierung.

Wenn man es mit einem narzisstischen Kollegen zu tun hat, dann gilt

  • Unbedingt Grenzen ziehen
  • Konsequent handeln
  • Vereinbarungen einfordern
  • Auf die eigene Position achten
  • Das eigene Territorium schützen
  • Critical Issues dokumentieren

Das ist natürlich auch sinnvoll, wenn ich Chef eines narzisstischen Mitarbeiters oder Teamleiters bin.

Ist man das „Opfer“ einer narzisstischen Führungskraft, hilft zusätzlich die Option, sich innerlich von der aktuellen Arbeit zu distanzieren oder gar zu lösen. Niemand zwingt Sie, eine unerträgliche Situation aushalten zu müssen!

Vielleicht bekommen Sie kurz Angst, ob Sie eine Job – Alternative finden können. Aber für das Gehirn ist es ungünstig, in einer haltlosen Situation ausharren.

Diese innere Distanzierung ist gut für das Gehirn, denn es unterstützt die eigene Autonomie.

Francois Lelord gibt einige ergänzende Handlungsanweisungen im Umgang mit Narzissten in seinem Buch „Der ganz normale Wahnsinn. Vom Umgang mit schwierigen Menschen“. Dieses Buch schätze ich sehr, weil es kompetent geschrieben und dabei gut lesbar ist.

 

Verhaltensempfehlungen für den Umgang mit Narzissten (nach Francois Lelord)

  1. Zeige ihm, wenn er aufrichtig ist, Deine Anerkennung
  2. Erkläre ihm die Reaktion der Anderen
  3. Respektiere gewissenhaft die Formen und Gebräuche
  4. Kritisiere nur, wenn unvermeidlich und tue es dann sehr präzise
  5. Schweige über Deine eigenen Erfolge und Privilegien
  6. Falle nicht auf seine Manipulationsversuche herein
  7. Gewähre ihm keine Gunst, die Du nur ein einziges Mal gewähren möchtest
  8. Erwarte nicht, dass er sich für einen Gefallen revanchiert

 

Fazit

Narzisstische Führungskräfte haben oft wirtschaftliche, politische, militärische und religiöse Führungspositionen inne. Narzissten können begeistern durch Charisma – gepaart mit unglaublicher Selbstliebe und einem auf Dauer schwer zu kaschierenden Mangel an Empathie. Auf ihrer Vorteilsseite steht ihre Fähigkeit, großartige Visionen zu entwickeln – zugleich agieren sie oft irrational und unflexibel.

Im Umgang mit Narzissten braucht es also Klarheit und stabile Abgrenzung.

Ausblick auf die nächsten beiden Kapitel:

  • Die antisoziale (soziopathische), machiavellistische Führungskraft ist oft ein scharfsinniger und pragmatischer Denker, der manipulativ und nicht rücksichtsvoll vorgeht. Viele Politiker fallen unter dieses Muster.

• Die psychopathische Führungskraft ist eindeutig die dunkelste Variante. Impulsivität und Gefühlskälte führen zu geringer Arbeitszufriedenheit und Arbeitsmotivation bei den „Geführten“. Oft leben diese in einem Klima organisationaler Angst.